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Ein Wels, die Barsche und ich
Dieser Eintrag stammt von 5mal5 Am 6.5.2009 @ 11:33 In Alltägliches | Keine Kommentare
Gestern stand wieder einmal die Reinigung des Aquariums an und wie jedes Mal ist es ein feuchtes Unterfangen geworden.
Diesmal sogar besonders feucht, worauf ich aber nicht näher eingehen möchte, nur so viel…. den gestrigen Mr. Wet-T-Shirt Contest hätte ich locker für mich entschieden, doch zurück zur Aquariumreinigung….
Der Ablauf ist mittlerweile immer gleich, man könnte auch sagen, die Fische und ich sind ein eingespieltes Team. Ich entferne die Aquariumabdeckung, nehme den Außenfilter weg und greife die oben schwimmenden Pflanzen und Pflanzenreste ab.
Warum die Pflanzen in unserem Aquarium oben schwimmen?
Wir haben Barsche, Nein!, nicht irgendwelche Barsche, sondern welche, die in ihrem früheren Leben nicht genug positives Karma gesammelt haben und deshalb als Barsche in unserem Aquarium wiedergeboren wurden. Barsche die früher Landschaftsgärtner, erfolglose Architekten und verarmte Raumgestalter waren, vielleicht sind auch ein paar frühere Maurer darunter, ich bin mir nicht sicher. So kommt es, dass meine gewählte Gestaltung des Aquariums und seine Inneneinrichtung nie, aber wirklich nie den Geschmack unserer Fische trifft. Pflanzen werden entfernt, Berge angehäuft und Höhlen gebaut, jedoch nie dort, wo ich es vorgesehen habe.
Nachdem ich die “Schwimmpflanzen” entfernt habe, muss ich mich um eine ganz arme Seele von [1] Fisch kümmern, wir nennen ihn liebevoll “Herr Wels“. Denn kaum ist die Abdeckung weg und die Pflanzen sind verschwunden, muss sich aus der Sicht der Fische eine wunderbare freie Sicht nach draußen ergeben. Tja und unser Herr Wels liebt die Freiheit, die bunten Farben, die frische Luft, unser Sofa, unser Regal und unseren Fussboden. Ich muss nicht erwähnen, dass Herr Wels nicht der Hellste ist, oder? Ich vermute mal in seinem früheren Leben war er Beamter oder eine sonstige Arbeitsdrohne, die nie die große, weite Welt erleben durfte.
Ich muss also bei der Aquariumreinigung genau darauf achten, dass Herr Wels nicht wieder aus dem Becken springt. Er tut das gern, auch dann noch, wenn ich ihn wieder in sein ursprüngliches Element aka Wasser zurückgesetzt habe.
Der nächste Schritt ist das entfernen der Dekoelemente und der verbliebenen Pflanzen und Technik. Im Regelfall sieht das so aus, dass ich die großen Teile problemlos rausnehmen kann, natürlich unter den kritischen Blicken der ehemaligen Raumgestalter, die etwas kleineren Elemente muss ich zuerst unter Bergen von Kies suchen, wobei ich mir einbilde, ein Grinsen in den Augen der ehemaligen Landschaftsgärtner zu erahnen. Ist auch dieses erledigt, kann ich mit dem absaugen des Aquariumgrundes anfangen und gleichzeitig den Wasserwechsel einleiten. Der sinkende Wasserpegel verleitet Herrn Wels zu flipperartigen Sprüngen, der vielleicht auch einmal gern ein echter Delfin geworden wäre.
Unter den stillen Protesten der ehemaligen Landschaftsgärtner und Architekten richte ich den Aquariumgrund wieder nach meinem Geschmack aus, was in dem Fall bedeutet, die von unseren Aquariumbewohnern mühsam errichteten Kiesbauwerke werden begradigt und nach alter Aquarienkunde nach hinten ansteigend angehäuft (ich bin da sehr old school). Nebenbei vollzieht Herr Wels einen Kunstsprung nach dem nächsten und versucht möglichst lang die Luft anzuhalten (also außerhalb des Aquariums). Jetzt verteile ich wieder die Schieferplatten, stelle die Höhlen an die von mir vorgesehenen Stellen und lasse wieder ein wenig frisches Wasser hinzu. Die Architekten und die Landschaftsgärtner nehmen das zur Kenntnis und versammeln sich tuschelnd in einer Ecke. Wenn sie kleine Zeichenbretter oder Flipcharts hätten, würden sie ihre Pläne genau in diesem Moment bereits diskutieren.
Nun noch die Pflanzen an ihre vorgesehenen Stellen setzen (ich gebe die Hoffnung ja nicht auf) und den Wasserpegel wieder auf Normal ausrichten. Die restliche Technik findet wieder ihren Einzug und auch Herr Wels muss nun wieder mit einer Aquariumabdeckung vorlieb nehmen. Wer jetzt denkt, er springt dagegen und verbiegt sich die Barteln, den muss ich enttäuschen. Herr Wels ist vielleicht dumm, aber Herr Wels ist auch böse, Herr Wels ist kreativ, Herr Wels war vielleicht auch einmal ein Orca im kalifornischen Sea World.
Während ich aufräume, und mein Equipment wieder verstaue, schwimmt Herr Wels durch das Becken. Seinem Naturell folgend in Bodennähe, um anschließend an der Aquariumfrontscheibe nach oben zu schießen und mit seiner Schwanzflosse Unmengen an Wasser hochspritzen zu lassen. Das hat zur Folge, dass ich mit dem aufwischen der Wasserpfützen beschäftigt bin, die sich durch das herunterlaufende Wasser vor dem Aquarium bilden, während die Barsche mit der Umgestaltung des Beckens beginnen. Die zuvor diskutierten Pläne werden in die Tat umgesetzt. Da werden Pflanzen entfernt, der Kies unter den Höhlen abgetragen, neue Kiesberge gestaltet. Mit anderen Worten…. es wird viel gearbeitet, während mich Herr Wels vom Geschehen im Becken ablenkt.
Noch eine Theorie, die ich verfolge….
Insgeheim glaube ich ja, dass das Verhalten irgendwie mit Bob dem Baumeister zusammen hängt, den unser Junior zu gern sieht. Der Fernseher steht schließlich auch in Blickrichtung unserer Fische….
Können wir das schaffen? Yo, wir schaffen das!
…wer weiß?!
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[1] Fisch: http://www.aqualistix.info/Mochokidae/zierfische/Synodontis+eupterus.html
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